KO-Tropfen – Fiese Drogen im Glas

AVALON war am 28.2.2015 bei einer internen Fortbildungsveranstaltung vom Ladies Circle zum Thema KO-Tropfen eingeladen, im Anschluss gab es am Nachmittag noch eine öffentliche Info-Veranstaltung. Frau Bulin vom Frauennotruf aus Aachen hat uns umfassende und interessante Infos und gutes Material für Jugendliche an Hand gegeben. Wir haben das Thema KO-Tropfen sowie die Materialien in unser neues Projekt “Alles Spaß” mit aufgenommen, das im April 2017 angelaufen ist.

Vor KO-Tropfen ist keiner wirklich geschützt!

Viele Frauen und Mädchen denken „Das kann mir nicht passieren, denn ich pass auf mich auf und bin achtsam“, und das ist auch ein absolut wichtiger Schutz … aber ein mulmiges Gefühl bleibt und Tests an Personen zeigen, dass viele Situationen möglich sind, um jemanden unbemerkt KO-Tropfen zu verabreichen … daher ein paar gute Tipps für Euch, um mehr Sicherheit zu bekommen – wir möchten dabei offen mit diesem Thema umgehen, weil wir denken, dass potentielle Opfer mindestens so gut informiert sein sollten wie Täter.

KO-Tropfen sind leider nicht nur eine Partydroge, sondern werden zu einem großen Teil auch im privaten Umfeld eingesetzt, d.h. Täter sind nicht mehr nur die Unbekannten, sondern können auch Bekannte, Freunde oder Verwandte sein.

KO-Tropfen wirken innerhalb von 5-20 min für ca. 3 Stunden, zum Teil auch bis zu 24 Stunden. Sie können geschmacksneutral sein, aber ebenso einen salzigen, seifigen Geschmack haben. Die Wirkungsweise ist je nach Substanz und Dosierung und, ob mit oder ohne Alkohol, sehr unterschiedlich.

Die Symptome sind bei geringerer Dosierung einem alkoholischen Rauschzustand ähnlich, sodass es für jemand Außenstehenden schwierig ist einzuschätzen, ob die Freundin gerade einen netten Typen kennengelernt hat oder ob eventuell chemische Substanzen im Spiel sind.

KO-Tropfen zusammen mit Alkohol haben bereits bei geringer Dosierung lebensbedrohliche  Folgen!

Symptome und Wirkungsweise:

Oft wird durch KO-Tropfen euphorisierendes, sexualisiertes Verhalten hervorgerufen!

Mögliche weitere Reaktionen: Angstlösend, sozial öffnend, Schwindel, Kribbeln in den Gliedmaßen, Muskelzuckungen, Orientierungslosigkeit, Gedächtnisstörungen, verstärkter Rededrang, leichte bis starke Halluzinationen, verstärktes Farbsehen, Wahrnehmungsverschiebungen, Benommenheit bis hin zu stärkerer motorischer Einschränkung.

Bei hohen Dosen kommt es rasch zum Blutdruckabfall, zu Herzrhythmusstörungen und einer Dämpfung des Atemzentrums, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Sprachstörungen, Übelkeit mit Erbrechen, Willenlosigkeit, schlagartige Bewusstlosigkeit und bruchstückhafte bis fehlende Erinnerung, also Gedächtnislücken oder “Filmrissen”! Es kann zu Herz-Kreislauf-Versagen und Atemstillstand, Bewusstlosigkeit und epileptischen Anfällen kommen. Im schlimmsten Fall kann eine Überdosierung zur Atemlähmung und Erstickungstod führen, da bei aufkommender gleichzeitiger Schläfrigkeit das Risiko besteht, am Erbrochenen zu ersticken. Es werden immer mehr Todesfälle im Zusammenhang mit GHB/GBL registriert!

Nicht jeder, der Opfer von KO-Tropfen geworden ist, muss Opfer sexualisierter Gewalt werden!

Wichtige Tipps:

  1. Achtet aufeinander und fühlt euch für eure Freundin verantwortlich. Kümmert Euch um sie, wenn sie – scheinbar – zu viel getrunken hat. Ihr könnt untereinander am besten einschätzen, ob jemand eine Auszeit braucht, um zu sehen, was los ist!
  2. Verlasst Euch als Helfer auch auf Euer Bauchgefühl.
  3. Sprecht mit Euren Freundinnen vor dem Besuch einer Party über eine derartige Situation und gebt Euch gegenseitig die Erlaubnis zu entscheiden, ob ihr auf einer Party bleibt oder besser geht, wenn ihr Euch nicht wohl oder nicht sicher fühlt.
  4. Geht zusammen auf eine Party hin und geht zusammen wieder heim!
  5. Überlegt Euch Personen, die ihr im Notfall um Hilfe bitten könnt, die nicht auf der Party sind, aber Euer Vertrauen haben: Mama, Papa, Freunde, Geschwister …
  6. Ich schütze mein Glas, indem ich mit der einen Hand das Glas halte, mit der anderen Hand das Getränk abdecke.
  7. Kauft Euch ein Getränk nur, wenn ihr es zeitnah trinken möchtet.
  8. Wer sein Glas aus den Augen gelassen hat, sollte daraus nicht mehr trinken. Kauft Euch etwas Neues, das kostet zwar Geld, gibt Euch aber wichtige Sicherheit!
  9. Nehmt kein offenes Getränk von Leuten an, die ihr nicht gut kennt und denen ihr daher nicht wirklich vertrauen könnt;
    Ihr habt die Möglichkeit dankend abzulehnen, …. oder
    es anzunehmen und wortlos einfach die Gläser zu tauschen und zuzuprosten… oder
    „du hast doch sicher nichts dagegen, wenn ich dein Glas nehme“ oder dergleichen zu sagen.
  10. Achtet auf einen veränderten Geschmack des Getränks und trinkt besser nicht „auf Ex“.
  11. Kauft euch original verschlossene Getränke soweit es geht.
  12. Vorbereitete, bereits eingeschenkte Getränke auf Partys ablehnen.
  13. Wenn es Euch nicht gut geht, sprecht mit Freunden oder dem Personal darüber
  14. Wenn ihr merkt, dass ihr euch komisch oder irgendwie anders fühlt, nehmt dieses Gefühl ernst und geht nirgends mehr alleine hin, auch nicht zur Toilette, auch nicht alleine nach Hause!
  15. Lasst Euch abholen von einer Vertrauensperson, Mama, Papa, älteren Geschwistern, Freunden
  16. Egal was für Strafen eventuell auf Euch warten könnten … wenn ihr wo seid, wozu ihr vorher keine Erlaubnis hattet – Eure Sicherheit steht an erster Stelle – holt Euch Hilfe!
  17. Ganz wichtig: Wir denken, dass keiner vor KO-Tropfen wirklich geschützt ist, jedem kann es passieren. Organisiert Euch ein Netzwerk, das Euch im Falle des Falles helfen kann!

Was kann ich tun, wenn ich die Vermutung habe, dass etwas passiert ist:

  • Handle schnell! Hole den Notarzt 112 und melde eine “bewusstlose Person” oder “Atemstillstand”, wende dich sofort an ein Krankenhaus oder die Polizei, es könnte Lebensgefahr bestehen!
  • Gehe nicht gleich duschen und hebe deine getragene Kleidung auf, wasche sie erst später, um Spuren zu sichern!
  • Sammle etwas Urin in einem Gefäß und stelle es abgedeckt in den Kühlschrank oder friere es verschlossen ein (dadurch wird der chemische Abbauprozess von KO-Tropfen gestoppt, ist zwar vor Gericht kein juristisch anerkanntes Beweismaterial, aber besser als nichts und es ermöglicht eine spätere Analyse), noch besser:
  • bei Verdacht eine Blut- und Urinprobe im Krankenhaus abnehmen lassen, oder in einem Rechtsmedizinischen Institut.
  • Hebe ein paar Haare von Dir auf und nach 3-4 Wochen nochmal welche.
  • Nimm Hilfe einer Beratungsstelle an!

Das “Bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen” unter Tel: 08000 116016 steht ebenfalls jederzeit zur Verfügung.

Von KO-Tropfen sind auch zunehmend Männer betroffen, die entweder ausgeraubt werden oder ebenso sexualisierte Gewalt erfahren. Männer tun sich als Betroffene genauso schwer, über ihre Erlebnisse zu sprechen, ihre Scham zu überwinden und sich Hilfe zu holen! – Wir beraten auch Männer!

Wenn Du damit Erfahrungen gemacht hast und Fragen hast, dann ruf uns an oder schreib eine Mail: Tel.: 0921 – 51 25 25 oder info@avalon-bayreuth.de

Wichtig für Männer:

Für Jugendliche und Männer heißt es an dieser Stelle, standhaft dieser Droge gegenüber zu stehen.  Lasst Euch nicht mitreißen auf Parties “nur mal was auszuprobieren”, denn KO-Tropfen wirken in äußerst geringen Dosen schon sehr stark. Schnell sind Wirkungen erreicht, die man gar nicht wollte.

Die Konzentration von GHB/GBL unterliegt starken Schwankungen, vor allen Dingen zusammen mit Alkohol oder anderen Medikamenten. Zudem können andere gefährliche Stoffe oder Verunreinigungen enthalten sein. Das Risiko ist unkalkulierbar, Überdosierungen sind gefährlich und lebensbedrohlich!

Jemandem KO-Tropfen heimlich zu verabreichen ist eine Straftat! Sexualisierte Gewalt ist ein schweres Verbrechen an einem Menschen!

Gut zu wissen:

Mehr als dreißig Substanzen können als K.O.-Tropfen verwendet werden. Dazu zählen Barbiturate, Benzodiazepine, Antihistaminika und trizyklische Antidepressiva, vor allem aber die Partydrogen GHB (Gammahydroxybuttersäure) oder  GBL (Gamma-Butyrolacton), bekannt auch als Liquid Ecstasy. Derivate des GHB wurden früher als Arzneimittel verwendet, etwa in der Anästhesie, jedoch sind sie aufgrund ihrer schwer kalkulierbaren Dosierung und Nebenwirkungen in Deutschland gänzlich vom Markt genommen worden. GBL wird hauptsächlich als Lösungsmittel eingesetzt. Der Rohstoff ist günstig und leicht beschaffbar.

Die Untersuchung im Krankenhaus auf KO-Tropfen und deren Einlagerung ist kostenpflichtig, man kann mit ca. 25 € rechnen. Wenn ihr die Straftat zur Anzeige bringt, wird die Untersuchung von der Krankenkasse übernommen.

Die Nachweisbarkeit im Blut beträgt ca. 6 Stunden, im Urin ca. 12 Stunden, später es ist schwieriger vom natürlichen GHB-Spiegel zu unterscheiden. Auch ist es sinnvoll, sofort eine Haarprobe zu sichern (200 bis 300 mg, d.h. ein paar wenige Haare) und ein weiteres Mal drei bis vier Wochen nach dem Ereignis. Auch im Haar lassen sich die psychoaktiven Substanzen nachweisen.

Die fehlenden bzw. nur bruchstückhaften Erinnerungen der Betroffenen machen die Beweisführung bei einem KO-Tropfen-Verdacht strafrechtlich schwierig. Dadurch fühlen sich Täter sicher und fürchten eine strafrechtliche Verfolgung kaum. ABER – durch Bescheidwissen über KO-Tropfen und ein gutes Netzwerk an Helfern hat man Möglichkeiten sich abzusichern und nicht so leicht zum Opfer zu werden!

Schuldig ist immer der Täter, nie das Opfer!

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